Pop Blog
Das Stockholm Feiertags-Blog #2

Schock am Morgen - Temperaturen im Keller
Jeden Tag neue Musik -- 7 Tage in Stockholm und Ihr seid dabei. Täglich im Blog. Pop10 Moderator Maurice Gajda wacht auf und die Teperaturen sind alles andere als nett…
Meine schwedische Pop10 Kollegin wollte heute früh klingeln und mich zu einem Frühstück abholen.
Ich wundere mich um 12 Uhr und nörgel mir eins: “wieso hat sie nicht geklingelt?”… Ein Blick aufs Handy sagt alles: “3 Anrufe in Abwesenheit”.
Okay. Sie hat angerufen, 3 mal, vor 3 Stunden…
Hermans
Katarina / Sofia
Fjällgatan 23B
116 28 Stockholm
Der zweite Tag meiner Entdeckunsgreise in die neue Musik muß also anders anfangen.
Ich rufe zurück und um 13 Uhr sitzen wir im wirklich besten Spot für fleischlose Träume!

Ein Blick in den Wintergarten bei Hermans
Hermans -- Einmal setzen und in Stunden erst gehen!
Ein endloses Büffet, einmal zahlen und dazu handgemachte Superkuchen.
Wobei es heute kein Stück Kuchen auf meinen Teller geschafft hat.

Der erste Gang am Morgen
Und zum Hauptgericht ein Erfrischungsgetränk, weil es draußen nicht kalt genug ist :-!
Hier in Schweden “we give a fuck aboutFanta, 7Up und Co”….
Die Soda Tradition hat seit Ende der 1920er Jahre einige interessante Kompositionen erzeugt:

Von Links nach Rechts: Julmust (Weihnachstbrause), Champis (seltsam leckere Brause) und Trocadero (schmeckt wie Champi)
Wir haben es 14:55 Uhr und die Sonne geht unter.
Gestern mußte ich mit dem Schneematsch kämpfen und heute ist schnell klar, dass das Eis und die mörderischen Eiszapfen an den Häuserdächern ein Problem werden.
Im letzten Winter kamen mehrere Stockholmer ums Leben, weil sie von meterlangen Eiszapfen erschlagen wurden.
Jede zweite Straße ist gesperrt zwecks Zapfenräumkommando.
Ich mache mich auf den Weg ins neue Studio der schwedischen Erfolgsband “Meldody Club”, die vor Kurzem ein neues Quartier bezogen haben.
Während ich mit dem Rutsch-Teufel diskutiere, wann ich nun wirklich das erste mal hinfallen werde, komme ich an diesem seltsam dampfenden Ort vorbei:

Keine Ahnung was hier dampft - es heißt Pionen und ist kein Club!
In diesem Moment laufen Starship im Kopfhörer -- ich bin so eine 80’s Type!
Egal. Kommt eh gleich nen neuer Song!
Unterwegs zum neuen “Melody Club” Studio laufe ich an nem Second-Hand Laden vorbei, der eine gute Aufwärmmöglichkeit darstellt.

Ja, hier ist ein Second-Hand Laden versteckt
Kaum drin entdecke ich die Musikabteilung.
Eigentlich wollte ich neue Musik entdecken und dann DAS:

Neue Zeit für alte Musik? Gegen meine Mission.
Aber falls heute Abend nichts mehr geht, kann ich hier den idealen Soundtrack für meinen Stummfilmabend kaufen:

THE perfect Background Sound for my Home Cinema?
Ich würde lieber die Songs aus der Sound-Anlage des Ladens mit nehmen, als diese Platten.
Gerade auf Rotation: Lou Reed -- Satellite Of Love
Raus hier -- raus in die Kälte.
Raus hier -- raus in die Kälte.
Der Weg zum Studio führt an der “Götgatan” vorbei. Eine Falle für alle Powershoppingopfer und Shopoholics. Ich bin mittendrin in der Aftershoptour der Stockholmer Südbevölkerung im Stadtteil ‘Södermalm’ und rette mich in einen warmen American Apparel Laden und kann nicht an diesen zwei Shirts vorbei:

Legalize LA - Legalize American Apparel Workers

Legalize Gay - die Deutschen scheinen da schon weiter zu sein
Seltsame Musik läuft hier. Irgendein Rapper versucht sich an Nirvanas “Smells like Teen Spirit”. Er hätte es mal lieber sein lassen sollen.
Außerdem versucht sich die politisch korrekte Apparel-Kaste an “Brandon Flowers” Cover-Models:

Sieht der aus wie der der "The Killers" Typ?
Egal, ich muss weiter über die kalten Straßen der Stadt, die jetzt langsam leerer werden. Die Geschäfte schließen heute um 18 Uhr.

Götgatan in Stockholm Södermalm - auf dem Weg ins Studio
Ich bin endlich da und bin wirklich gespannt in welcher Umgebung eine der erfolgreichsten Indiepop-Bands des Landes jetzt proben.
Vielleicht hängt auch ein Kylie Minogue Plakat im Foyer? Immerhin waren Meldoy Club vor 3 Jahren ihr Support europaweit.
Ein echtes Foyer ist das aber nicht, eher ein Abstieg in einen Bunker aus grauen Vorzeiten:

Nach der Weihnachtssause - Treppe ins Studio
Ich bin da. Es ist sehr eng hier. Für mich ist es zu eng hier.
Zugegeben hätte ich es größer erwartet, aber die Kreativität ist in jeder Pore zu spüren. Selbst am Spülbecken.

Eine Küche gibt es auch, aber keine Milch für den Kaffee
Über die “DEVO” Spielpuppen aus den 80ern sage ich Nichts weiter.
An den Wänden hängen jede Menge goldene Platten für 500.000 verkaufte Alben, aber nirgendwo gibt es Tageslicht.
Das spielt gerade keine Rolle, immerhin scheint die Sonne keine 5 Stunden am Tag, aber im Sommer würde sie mir fehlen.
Jon Axelson (Keyboarder und Mastermind der Band “Melody Club”) erklärt mir, dass er kein Licht baucht. “Hauptsache man kann hier drin die Zeit komplett vergeßen!”. Ja, das geht definitv.

Im Zentrum der Musik

Hier wird gleich weiter gearbeitet

Das E-Piano passt auch auf 28qm
Hier kann man auf jeden Fall einen Angriff der Shopoholics überleben
Ich bin gespannt, was die Band “Melody Club” in ihrem kleinen Bunker Neues produzieren wird.
Ich muß los, die Nacht ist noch jung und meine U-Bahn Karte will abgefahren werden.
Ich setze meine Kopfhörer auf und höre “Melody Club”:




Toll geschrieben. Das ist einfach ein Kommentar wert.
Gruß.
Philipp
Philipp
Pass’ auf diese verdammten Eiszapfen auf!
Schöne